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Wie entwickelt sich der Grillmarkt – und welche Trends werden den Grillfachhandel in den kommenden Jahren prägen? Antworten auf diese Fragen liefert Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer der IFH Köln (Institut für Handelsforschung GmbH), am Montag, 7. September 2026 auf der FIRE&FOOD BBQ WEEK in Köln. Er gilt als einer der profiliertesten Experten für E-Commerce und Handel. Freuen Sie sich auf fundierte Einblicke in das aktuelle Marktgeschehen und praxisnahe Einschätzungen zu den Chancen und Herausforderungen, die Grillindustrie und Fachhandel jetzt im Blick haben sollten. Mit analytischem Blick ordnet Dr. Kai Hudetz die wichtigsten Veränderungen ein und zeigt auf, welche Zukunftschancen er für unsere Branche sieht.
Der Grillfachhandel bewegt sich in einem spannungsreichen Umfeld: Der Gesamtmarkt schrumpft, aber innerhalb des Marktes verschieben sich die Wertanteile deutlich nach oben. Wer die richtigen Segmente besetzt, hat echte Perspektiven.
Handelsexperte Dr. Kai Hudetz ist seit 2009 Geschäftsführer der IFH Köln (Institut für Handelsforschung GmbH). Als Autor zahlreicher Studien und Fachartikel sowie gefragter Speaker verbindet er wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisnahen Handlungsempfehlungen. Am Montag, 7. September um 11.00 Uhr ist er live auf der FIRE&FOOD BBQ WEEK mit einem Vortrag zum stationären Grillfachandel und dessen Zukunftschancen zu erleben. Vorab könnt ihr hier unser aktuelles Interview mit dem Marktexperten lesen.
F&F: Der „Branchenbericht Grillen 2026“ Ihres Instituts zeigt: Der deutsche Grillmarkt schrumpft zum dritten Mal in Folge. Sprechen wir hier noch von einer temporären Delle oder sehen wir bereits Anzeichen für eine strukturelle Sättigung?
Dr. Kai Hudetz: Eine eindeutige Prognose ist derzeit schwierig, weil mehrere Sondereffekte gleichzeitig wirken. Während der Corona-Pandemie haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher stark in ihr Zuhause investiert – etwa in hochwertige Gasgrills als Ersatz für klassische Holzkohlemodelle. Diese Geräte werden naturgemäß nicht alle drei bis vier Jahre ersetzt. Gleichzeitig sorgen geopolitische Krisen und Inflation für Verunsicherung und Konsumzurückhaltung. Hinzu kommt ein Mangel an echten Innovationssprüngen. Das lässt sich gut mit dem Smartphone-Markt vergleichen: Früher haben neue Modelle sofort Begehrlichkeit ausgelöst, heute verlängern sich die Nutzungszyklen deutlich. Der Trend zu Pizzaöfen hatte zum Beispiel so eine Innovationskraft für den Grillmarkt, die die Hersteller dazu bewegte, das Thema für Zubehör aufzugreifen, um neue Kaufanreize zu schaffen. Grundsätzlich beobachten wir ein hybrides Konsumverhalten: Viele Verbraucher agieren preisbewusst, gönnen sich aber punktuell Qualität – zum Beispiel beim Grillgut. Diese Balance müssen Hersteller gezielt adressieren.
F&F: Ist diese Entwicklung spezifisch für Deutschland oder zeigt sich ein ähnliches Bild in anderen europäischen Märkten?
Dr. Kai Hudetz: Unser Fokus liegt zwar auf Deutschland, aber vergleichbare Tendenzen sehen wir auch in anderen Märkten, selbst in der Schweiz. Dort spielt Preisbewusstsein inzwischen ebenfalls eine große Rolle – mit der Folge, dass gezielt im günstigeren Ausland eingekauft wird.
Deutschland hat aktuell jedoch besondere strukturelle Herausforderungen: Die wirtschaftliche Erholung verläuft schleppend, und Konsumklima sowie Wachstum sind eng miteinander verknüpft. Zusätzlich wächst der Druck durch preisaggressive Plattformen aus Fernost wie Temu, Shein oder AliExpress. Sie fördern kleinteilige Belohnungskäufe nach dem Prinzip: „Bei dem Preis kann man nichts falsch machen.“ Zusammengenommen erzielen diese Anbieter in Deutschland bereits Milliardenumsätze und binden Kaufkraft, die dem Fachhandel fehlt.
F&F: Wie verändert sich das Kaufverhalten konkret – und welche Rolle spielen Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten bei der Entscheidung für oder gegen einen Grillkauf?
Dr. Kai Hudetz: Die Verunsicherung ist deutlich spürbar: Mehr als die Hälfte der Verbraucher fürchtet, den eigenen Lebensstandard nicht halten zu können. Steigende Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel führen dazu, dass Ausgaben stärker geplant werden. Impulskäufe gehen zurück, stattdessen wird zielgerichtet eingekauft. Viele Konsumentscheidungen folgen inzwischen klaren Prioritätenlisten. Ein Indikator dafür ist der Möbelhandel, wo Anschaffungen häufiger aufgeschoben werden.
Für die Grillbranche bedeutet das: Spontankäufe entstehen nur noch, wenn es gelingt, ein starkes Bedürfnis auszulösen. Bei Grills und Zubehör geht es ja selten um High-Involvement-Produkte. Außerdem sind Konsumenten durchaus bereit, Prioritäten zu verschieben.
F&F: Wo sehen Sie aktuell Wachstumschancen innerhalb des Grillmarktes – gibt es Segmente mit positiver Dynamik?
Dr. Kai Hudetz: Die größten Chancen liegen meiner Meinung nach derzeit im Zubehörbereich, insbesondere bei funktionalen und innovativen Ergänzungen. Zudem zeigt die Langfristbetrachtung: Der Umsatz mit Grillbrennstoffen ist seit 2015 um 13,2 Prozent gestiegen, während Grillgeräte und Zubehör jeweils nur rund 5 Prozent zulegen konnten. Der Grund ist eine deutlich höhere Grillfrequenz. 2015 gaben 29,2 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Monat zu grillen – 2025 waren es bereits 52,5 Prozent. Deutlich ist der Anstieg bei denjenigen, die mehrmals im Monat grillen: von 8,6 auf 26,8 Prozent. Diese Entwicklung hängt auch mit der wachsenden Verbreitung von Gasgrills zusammen, die durch ihre einfache Handhabung häufiger genutzt werden. Nach einem kurzen Rückgang durch die „Out-of-home“-Phase nach Corona hat sich das Grillen zu Hause mittlerweile wieder stabilisiert – nicht zuletzt aus Kostengründen.
F&F: Welche strategischen Hebel sollte die Branche jetzt nutzen, um wieder Wachstum zu generieren?
Dr. Kai Hudetz: Zentral ist die Entwicklung echter Innovationen mit klarem Mehrwert – insbesondere im Bereich Komfort. Beispiele sind durchdachte Erweiterungen wie modulare Outdoorküchen, integrierte Stauraumlösungen oder vereinfachte Reinigungssysteme. Darüber hinaus spielt Markenführung eine entscheidende Rolle. Erfolgreiche Anbieter schaffen Erlebniswelten – wie durch Events oder Anwendungskonzepte, die zeigen, was mit den Produkten möglich ist. Weber ist in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel.
Ebenso wichtig ist die enge Einbindung des Fachhandels. Ein Blick in andere Branchen zeigt: Reine Direktvertriebsstrategien stoßen an Grenzen und verlieren Teile ihrer Zielgruppe. Der Fachhandel bleibt ein zentraler Multiplikator – vor allem, wenn er in der Lage ist, Produkte emotional aufzuladen und kompetent zu vermitteln. Voraussetzung dafür sind gut geschulte Mitarbeitende und eine konsequente Kundenansprache, beisielsweise über funktionierende – gepflegte – CRM-Systeme.
F&F: Welche Rolle spielt der stationäre Fachhandel im Wettbewerb mit Online-Anbietern und großflächigen Formaten wie Bau- und Gartenmärkte – und wie kann er gestärkt werden?
Dr. Kai Hudetz: Der Onlinehandel wächst weiterhin dynamischer als der stationäre Vertrieb – eine kurzfristige Trendwende ist nicht in Sicht. Gleichzeitig erweitern Baumärkte und Discounter kontinuierlich ihr Sortiment, wodurch der Fachhandel zunehmend unter Druck gerät.
Dessen Stärke liegt im Mehrwert über das Produkt hinaus. Beratung, Erlebnis und Service sind entscheidend. Der Kunde muss einen klaren Grund haben, das Geschäft vor Ort aufzusuchen. Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Preistransparenz: Beratung findet im Fachhandel statt, der Kauf dann aber oft online. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, können Einkaufsgemeinschaften helfen. Gleichzeitig bieten Serviceleistungen – vom Grillaufbau bis zum Brennstoff-Lieferservice am Wochenende – echte Differenzierungsmöglichkeiten und stärken die Kundenbindung.
F&F: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Voraussetzungen, damit der Grillmarkt wieder wächst?
Dr. Kai Hudetz: Zwei Faktoren sind entscheidend: Erstens muss die Konsumstimmung wieder anziehen. Zweitens braucht es echte Innovationen, die einen klaren Kaufanreiz schaffen. Letztlich geht es darum, Emotionen zu wecken. Grillen ist ein hoch emotionales Thema mit großem Potenzial – wer es schafft, dieses Potenzial überzeugend zu inszenieren, hat beste Chancen auf neue Wachstumsimpulse.
Schon seit einigen Wochen arbeitet das FIRE&FOOD-Team an einer Gemeinschaft aller europäischen Grillfachhändler. Für ein wertschöpfendes Grillbusiness ist ein funktionierender Fachhandel von größter Bedeutung. Ein Einkaufs- und Verkaufsverbund ist aus dieser Marktlage heraus nicht nur schlüssig, sondern überfällig. Er gibt dem Fachhandel die nötige Verhandlungsstärke und Sichtbarkeit, um in einem schrumpfenden, aber wertiger werdenden Markt zu bestehen.
Am Montag, 7. September 2026, wird der neue Verbund für Einkauf und Verkaufsförderung auf der FIRE&FOOD BBQ WEEK proklamiert. Dort zeigen wir, welche Vorteile ein stationärer Grillfachhändler mit einem Beitritt zum Verbund hat und wie die Aufnahmebedingungen aussehen. Wer schon im Vorfeld mehr Informationen erhalten möchte, kann sich dazu gerne jederzeit bei uns melden. Einige Grillfachhändler aus Deutschland haben bereits ihre Teilnahme zugesagt.
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